Zum ersten Mal schnupperte Volker Clausen, Mitbegründer der Orca Dive Center in Ägypten im Jahr 1968 in einem Baggersee Pressluft. Die Begeisterung für diesen Sport sollte alsbald zum Grundstein seiner späteren Taucherkarriere werden. Schon ein Jahr später nahm er in seiner Heimatstadt Freiburg an einem Tauchkurs teil. Nach Abitur und der Ausbildung zum Versicherungskaufmann machte der begeisterte Taucher eine weitere Lehre als Schlosser, ein Beruf der ihn bei weitem mehr interessierte. Dass diese Ausbildung und das Tauchen sein Schicksal maßgeblich beeinflussen würden, lag aber noch in den Sternen. Es nahm aber seinen Lauf, als Volker Clausen eine Stelle als Berufstaucher bei der Firma Babkok erhielt. Sein Job war es, im persischen Teil des Kaspischen Meeres Rohre zu verlegen und zu verschrauben. „Dieses zwei Jahre waren eine spannende und tolle Zeit“, wie er sich gern erinnert.
Ruhigere Zeiten folgten, doch das Tauchen blieb Volkers große Leidenschaft. 1984 traf er zufällig auf Horst Lindner vom PN Club, der jemanden mit handwerklichem Geschick und Taucherfahrung für den Aufbau einer Basis im türkischen Kusadasi suchte. Für Volker Clausen gab es kein langes Überlegen und im Frühjahr 1985 saß er hinterm Steuer in Richtung Bosporus, das Fahrzeug voll gestopft mit Ausrüstung und einigen persönlichen Utensilien. Für ihn war es die Zeit, in der er bis zum Exzess tauchte. Drei Jahre hielt er es in Kusadasi aus; führte in der Sommersaison die Basis, jobbte im Winter für jeweils fünf Monate auf Malediven und lernte so auf Bathala und Mayafushi die tropischen Riffe kennen und lieben. Mit seinem Ersparten aus iranischen Tagen konnte er bereits 1988 seine eigene Basis in Kas finanzieren.
Im Oktober 1991 besuchten ihn einige Taucher in Kas, darunter Wolfgang Thaler. Der Rosenheimer war genauso jung und unternehmungsfreudig wie er und nach etlichen, geselligen Abenden entstand die Idee, es mit einer gemeinsamen Basis zu versuchen. Gerade zu der Zeit, als Volker zufällig Manfred Balzer von Air Aqua und Barakuda getroffen hatte, der einen erfahrenen Taucher für den Aufbau und die Führung eines Dive Centers in Hurghada suchte. „Mit Kas habe ich damals ganz gut verdient und die Begegnung mit Balzer kam mir gerade recht“, so erinnert sich Volker noch heute an das erste Treffen. Was lag näher als dass sich Wolfgang und Volker ins nächste Flugzeug nach Hurghada zur Ortsbesichtigung setzten. Ein damals verschlafenes Fischerdorf, wo der Tourismus erst in den Kinderschuhen steckte. Volkers Liebe für arabische Länder, auch wegen seiner Taucherjahre im Iran und seine kosmopolitische Einstellung waren ausschlaggebend, ja zu sagen.
Während sich Air Aqua um den Aufbau der Basis in Safaga im Lotus Bay mit Volkers Unterstützung kümmerte, unterschrieben er und Wolfgang Thaler zusätzlich einen eigenen Vertrag für ihr neues Tauchcenter im Hotel Hurghada Beach Resort. Auf der Suche nach einem prägnanten Namen für die neue Basis fiel der Begriff Orca, das erste Orca Diving Center geboren. Doch das stete Reisen zwischen Kas, Hurghada, Safaga und Rosenheim erwies sich als problematisch. So beschloss man, dass sich Wolfgang Thaler mit zwei Partnern um das Geschäftliche von Deutschland aus kümmern sollte, während es Volkers Part war, vor Ort die taucherische Seite zu betreuen. Zeitgleich nahm Air Aqua mit dem Hotel Menaville in Safaga eine weitere Basis in sein Programm. Volker hatte nun neben Kas und Hurghada auch noch das Lotus Bay und den Neuzugang zu beaufsichtigen. Zuviel für eine Person, deren taucherischer Schwerpunkt sich zunehmend an das Rote Meer verlagerte. So war es nur konsequent, dass er 1992 seine Basis in Kas verkaufte und den Erlös in Ägypten investierte.
Zu dieser Zeit investierte Volker Clausen viel Engagement in eine weitere, bis dahin am Roten Meer kaum beachtete Variante des Tauchens: in die Suche nach Wracks. Rudi Kneip, damals der Platzhirsch unter den wenigen Tauchschulen in Hurghada, hatte die Thistlegorm wiederentdeckt und hütete den Platz wie ein Staatsgeheimnis. Doch mit Hilfe eines alten Fischers kam ihm Volker schnell auf die Spuren und gehörte mit zu den Wenigen, die das heute weltweit wohl am meisten betauchte Schiff mit erforschten. „An der Rosalie Moller war ich wohl einer der Ersten, wenn nicht sogar der Erste, der sie betauchte; für mich noch immer das schönste Wrack in der ganzen Region“. Aus diesem Fable wurde die Idee geboren spezielle Wracktouren ab Hurghada anzubieten. Eine Idee, die später auch Andere aufgriffen und die heute ein fester Bestandteil aller Tauchschulen am Roten Meer ist.
In diesen Jahren expandierte Orca vom kleinen Reisebüro zum Veranstalter und Volker Clausen war Mitgesellschafter geworden. Die Rosenheimer suchten nach weiteren, attraktiven Destinationen rund um den Globus. Die Kapverden und der Sudan wurden mit der MS Polar erkundet, hinzu kamen Costa Rica mit dem Motorsegler Pollux: Ziel Cocos Island mitten im Pazifik. Volker leitete mehrfach diese Expeditionen, die seinem Naturell des Weltenbummlers sehr entgegenkamen. Er pendelte zwischen Hurghada und dem Rest der Welt, stets auf der Suche nach neuen Highlights.
1995 begann er ein völlig neues Projekt: das Orca Diving Center in Safaga. Direkt am Meer an einem unbebauten Strandabschnitt in direkter Nachbarschaft zum Hotel Lotus Bay und Menaville entstanden die ersten Gebäude und bereits im Oktober eröffnete die neue Tauchbasis ihre Pforten. Wohnten die ersten Gäste noch in benachbarten Hotels, so entstanden bereits Überlegungen zusammen mit ägyptischen Partnern neben dem Tauchcenter eine kleine Bungalowanlage zu errichten, das Orca Village. Bereits 1996 waren die ersten acht Bungalows bezugsfertig. Das Rezept Basis/Ressort erwies sich als Erfolg und schon ein Jahr später musste das Dive Center seine Räumlichkeiten erweitern. Zudem kam man ob der großen Nachfrage nicht umhin, auch das Orca Village 1999 um 20 weitere Wohneinheiten zu vergrößern.
Eine neue Aufgabe stellte für den erfahrenen Profi das Nitrox- und Trimix-Tauchen dar, das Ende der neunziger Jahre zunehmend neue Anhänger fand. Bei der Verbreitung dieser Tauchvariante stand Volker Clausen wieder einmal an vorderster Front. Erst nach genügend Erfahrungen und den entsprechenden Qualifikationen bot er 1998 als einer der Ersten seinen Gästen das Nitrox-Tauchen im offenen Kreislauf an. Der große Zuspruch führte im Jahr 2000 zur Anschaffung von sechs Dräger Dolphin-Geräten. Weiter auf technologischem Expansionskurs machte er sich ein Jahr darauf mit dem Umgang des Buddy Inspiration vertraut um bereits 2002 vier Leihgeräte seinen Tec-Tauchern nebst umfangreicher Ausbildung anzubieten. Überlegte Schritte in die Zukunft: das Orca Diving Center Safaga gilt als die Erste Adresse für Tec- und Trimix-Taucher.
Extreme Charaktere, Menschen mit dem Hang sich an ihre Grenzen zu heranzuwagen, scheinen sich anzuziehen. So auch Volker Clausen und der Apnoe-Rekordler Benjamin Franz. Franz war nicht nur häufiger Trainingsgast im Orca Diving Center Safaga und erreichte am Panorama Reef einige seiner Rekorde. Er faszinierte Volker in vielen Gesprächen und inspirierte ihn, für sich einen eigenen Rekord zu versuchen und eine Grenze weit vom Vorstellbaren zu überschreiten. Volker wollte die magische Zahl von 222 Metern mit dem Buddy Inspiration und Trimix erreichen. Daß er dabei mit 224,5 Metern einen Weltrekord aufstellen würde, erfuhr er erst nach dem Abstieg.
Jeder, der Volker Clausen kennt weiß, dass dieser ultimative Tauchgang noch lange nicht das Ende seiner Aktivitäten bedeutet oder für den Beginn, sich auf Erreichten auszuruhen und einen Gang zurückzuschalten. Ein klares Nein, ist sein Statement, denn Volker Clausen braucht neue Aufgaben und er wird sie sich weiter suchen. Die neuen Orca Diving Center in Hamata oder an der Soma Bay sind eine solche Herausforderung und er wird auch in Zukunft garantiert weitere annehmen.









